Kaufnebenkosten
Schritt 1 von 8
Beides geht. Der Zeitpunkt entscheidet nur, wie schnell es gehen muss.
Auszug aus unseren Bankpartnern
Enis Recica
Seit 2016 in der Finanzbranche, über 1.000 begleitete Finanzierungen. Eingetragener Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Registernummer D-IR9N-6D2DR-51, Aufsicht IHK Koblenz.
Springen Sie direkt zu dem Thema, das Sie gerade beschäftigt.
Ja, es gibt zwei Wege. Entweder nimmt die finanzierende Bank die Nebenkosten in das Immobiliendarlehen auf, oder sie laufen als eigenes Darlehen daneben, ohne Eintrag im Grundbuch. Der erste Weg ist günstiger und seltener, der zweite ist schneller und fast immer machbar.
Gemeint sind mit Kaufnebenkosten die Beträge, die zusätzlich zum Kaufpreis anfallen und die niemand aus dem Objekt zurückbekommt. In Rheinland-Pfalz sind das ohne Makler rund 6,5 bis 7,0 Prozent des Kaufpreises. Bei 300.000 Euro Kaufpreis sind das etwa 19.500 bis 21.000 Euro, die vor der Auszahlung des Darlehens fällig werden.
| Posten | In Rheinland-Pfalz | Fällig |
|---|---|---|
| Grunderwerbsteuer | 5,0 % des Kaufpreises | wenige Wochen nach dem Notartermin |
| Notar und Grundbuchamt | 1,5 bis 2,0 % | nach der Beurkundung |
| Maklerprovision | je nach Vereinbarung | mit dem Kaufvertrag |
Seit dem 23. Dezember 2020 teilen sich Käufer und Verkäufer die Maklerprovision beim Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Einfamilienhauses durch einen Verbraucher, §§ 656a bis 656d BGB. Der Käuferanteil darf den des Verkäufers nicht übersteigen.
Weil sie keinen Gegenwert schaffen. Die Bank sichert ihr Darlehen über eine Grundschuld am Objekt ab und rechnet dafür mit dem Beleihungswert, also dem Wert, den sie dauerhaft als Sicherheit ansetzt. Grunderwerbsteuer, Notarkosten und Maklerprovision erhöhen diesen Wert nicht. Sie sind nach dem Kauf verbraucht.
Wer die Nebenkosten in das Immobiliendarlehen aufnimmt, hebt damit den Beleihungsauslauf, also das Verhältnis von Darlehen zu Beleihungswert. Genau diese Kennzahl entscheidet über die Bedingungen und darüber, ob eine Bank überhaupt mitgeht. Wie sie zustande kommt, steht im Beitrag Beleihungsauslauf.
Deshalb erwarten die meisten Banken, dass die Nebenkosten aus Eigenkapital kommen. Was als Eigenkapital zählt und was nicht, klärt der Beitrag zum Eigenkapital. Den Überblick über alle Posten neben dem Kaufpreis gibt Was kostet der Immobilienkauf außer dem Kaufpreis.
Eine 100-Prozent-Finanzierung deckt den Kaufpreis, eine 110-Prozent-Finanzierung zusätzlich die Kaufnebenkosten. Wer die Kaufnebenkosten mitfinanzieren will, spricht also von der 110-Prozent-Finanzierung, oft auch Vollfinanzierung genannt. Die Zahl 110 ist dabei nur eine Faustformel, in Rheinland-Pfalz liegen die Nebenkosten ohne Makler eher bei 6,5 bis 7,0 Prozent.
| Modell | Was die Bank finanziert | Was Sie selbst tragen |
|---|---|---|
| Klassisch mit Eigenkapital | Einen Teil des Kaufpreises | Nebenkosten und den Rest des Kaufpreises |
| 100 Prozent | Den vollen Kaufpreis | Die Kaufnebenkosten |
| 110 Prozent | Kaufpreis und Kaufnebenkosten | Nichts aus Eigenkapital, dafür die höchste Belastung |
| Kaufpreis plus getrenntes Darlehen | Kaufpreis über die Immobilienbank, Nebenkosten ohne Grundbucheintrag | Beide Raten aus dem Haushalt |
Was Banken für eine Vollfinanzierung grundsätzlich verlangen, beschreibt der Beitrag Vollfinanzierung: was die Bank dafür verlangt.
Welcher Weg passt, hängt an drei Dingen: am Beleihungsauslauf, an Ihrem Haushaltsüberschuss und daran, wie viel Zeit bis zur Fälligkeit bleibt.
Starkes Einkommen, Objekt mit Reserve im Wert
Die Nebenkosten laufen im selben Darlehen mit, es gibt eine Rate und eine Zinsbindung. Der Beleihungsauslauf steigt dabei deutlich, entsprechend strenger prüft die Bank Einkommen und Bonität. Nicht jede Bank bietet diesen Weg an.
Wenn die Bank nur den Kaufpreis finanziert
Ein getrenntes Darlehen neben der Immobilienfinanzierung, besichert allein über Ihre Bonität. Kein zusätzlicher Notartermin, kein Eintrag, deshalb schnell und auch nach der Beurkundung noch möglich. Dafür kürzere Laufzeit und begrenzte Höhe.
Beide Wege gehören zusammen geplant. Die Rate des zweiten Darlehens geht in die Haushaltsrechnung der ersten Bank ein. Taucht sie erst später in der SCHUFA auf, kostet das die Zusage.
Geprüft werden zwei Größen. Der Leistungsgrad setzt alle Ihre monatlichen Raten ins Verhältnis zu Ihrem Nettoeinkommen. Die Haushaltsrechnung zieht von Ihrem Einkommen die Pauschalen für die Lebenshaltung ab, dazu Ihre Wohnkosten und sämtliche Raten. Was übrig bleibt, muss beide neuen Raten tragen, die der Immobilie und die der Nebenkosten.
Ein Punkt fällt dabei häufig unter den Tisch: Wer selbst einzieht, zahlt nach dem Umzug keine Miete mehr. Diese Entlastung gehört in die Rechnung, sonst sieht der Fall schlechter aus, als er ist. Wer die Immobilie vermietet, wohnt dagegen weiter, wo er wohnt, und die Miete bleibt eine Belastung. Steht ein Mietvertrag, zählt die Miete als Einnahme dagegen.
Ein getrenntes Darlehen ohne Grundpfandrecht ist rechtlich ein Allgemein-Verbraucherdarlehen. Sie dürfen es nach § 500 Absatz 2 BGB jederzeit vorzeitig zurückzahlen, und eine Vorfälligkeitsentschädigung ist nach § 502 Absatz 3 BGB der Höhe nach gedeckelt. Bei einem grundpfandrechtlich besicherten Immobiliardarlehen gilt diese Deckelung ausdrücklich nicht.
| Voraussetzung | Worauf die Bank achtet |
|---|---|
| Einkommen | Regelmäßig, belegbar und möglichst unbefristet, die Probezeit ist vorbei |
| Bonität | Keine negativen Einträge in der SCHUFA, geordnete Kontoführung |
| Haushaltsüberschuss | Beide Raten passen mit Abstand in die Haushaltsrechnung |
| Objekt | Ein Beleihungswert nahe am Kaufpreis, Lage und Zustand ohne größeren Rückstau |
Oft ja. Jeder Euro Eigenkapital, den Sie selbst einbringen, senkt den Beleihungsauslauf oder die Summe des zweiten Darlehens, und damit die Belastung. Möglich ist etwa, Notar und Grundbuch aus eigenen Mitteln zu zahlen und nur die Grunderwerbsteuer zu finanzieren.
Behalten Sie dabei eine Reserve. Wer das letzte Guthaben in die Nebenkosten steckt, hat für Umzug, erste Reparaturen oder eine kaputte Heizung nichts mehr übrig. Eine kleinere Finanzierung mit Rücklage ist oft solider als ein leeres Konto.
Die Kaufnebenkosten mitzufinanzieren eignet sich für Käufer mit sicherem, gutem Einkommen, deren Haushalt beide Raten trägt, denen aber das angesparte Kapital fehlt oder die es bewusst nicht vollständig einsetzen wollen. Die Übersicht hilft bei der Einordnung.
| Passt eher | Passt eher nicht |
|---|---|
| Sicheres Einkommen, etwa unbefristet angestellt oder verbeamtet | Probezeit, befristeter Vertrag oder schwankende Einkünfte |
| Deutlicher Überschuss in der Haushaltsrechnung | Die Rate der Immobilie allein schöpft den Spielraum aus |
| Objekt in gutem Zustand, Kaufpreis nahe am Wert | Hoher Sanierungsbedarf, der ebenfalls finanziert werden muss |
| Eigenkapital ist da, soll aber als Reserve bleiben | Weitere Ratenkredite laufen bereits |
Die Kaufnebenkosten senken Sie vor allem über den Kaufpreis und über die Maklerprovision. Grunderwerbsteuer und Notarkosten richten sich nach dem Kaufpreis, jeder verhandelte Euro wirkt also mehrfach. Was davon in Ihrem Fall trägt, klären Sie vor der Beurkundung.
Bei einer vermieteten Immobilie gelten die Kaufnebenkosten steuerlich als Teil der Anschaffungskosten und wirken anteilig über die Abschreibung auf das Gebäude. Schuldzinsen für die Finanzierung sind Werbungskosten, und zwar auch für ein getrenntes Darlehen, solange es nachweisbar dem Kauf dient. Die Einordnung im Einzelfall nimmt Ihr Steuerberater vor.
Für die Bank zählt bei vermieteten Objekten zusätzlich, ob die Miete den Kapitaldienst mitträgt. Wie Banken Kapitalanlagen rechnen, lesen Sie unter Kapitalanlage finanzieren und Mehrfamilienhaus finanzieren.
Am Anfang steht kein Formular, sondern ein Gespräch. Wir klären, wo der Kauf steht, welche Summe fehlt und bis wann sie da sein muss. Eine erste Einschätzung gibt Ihnen der Rechner oben auf dieser Seite.
Stand des Kaufs, Nutzung, Summe und Haushalt: In etwa zwei Minuten sehen Sie, ob Ihr Haushalt beide Raten trägt. Danach sprechen wir über den passenden Weg.
Jetzt durchrechnen